Zwei Frauen halten beim Spaziergang im Herbstpark mit einem Hund Abstand; eine trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Social Distance“.

Neurodivergent und Hunde

Wenn die Welt manchmal zu laut ist. Und Hunde klarer sind als Menschen.

Neurodivergent heißt:

Dein Gehirn verarbeitet Reize, Informationen und soziale Signale anders als bei den meisten Menschen. Das ist keine Krankheit und kein Fehler. Es ist eine andere Art, die Welt wahrzunehmen. Zu den bekanntesten Formen gehören ADHS und Autismus. Viele Menschen haben beides, man spricht dann auch von AuDHS. (Umgangssprachlich)

Jeder neurodivergente Mensch ist anders. Trotzdem erzählen viele von ähnlichen Erfahrungen. Geräusche sind lauter, Licht ist greller, Berührungen sind intensiver. Unvorhersehbare Situationen kosten viel Kraft. Smalltalk ist anstrengend, unausgesprochene Regeln sind schwer zu durchschauen. Und am Ende eines Tages voller Reize ist der Akku leer.

Hundebegegnungen können da schnell zu viel werden. Und gleichzeitig erleben viele neurodivergente Menschen mit Hunden etwas, das sie bei Menschen selten finden: Klarheit.

Ich weiß, wovon ich spreche

Ich bin selbst Autistin und habe ADHS. Als Kind war mir der Kontakt zu anderen Menschen oft zu viel. Nähe konnte ich vor allem bei Hunden zulassen. Sie haben nicht so getan, als ob. Sie haben gezeigt, was sie fühlen. Ehrlich und ohne versteckte Botschaften.

Meine Erfahrung gilt nicht für jeden neurodivergenten Menschen. Aber sie hilft mir, zu verstehen, wie anstrengend manche Situationen sein können. Und sie prägt, wie ich arbeite.

Zwei Seiten derselben Sache

Neurodivergente Menschen erleben Hunde sehr unterschiedlich. Manche wollen Hunden lieber aus dem Weg gehen. Andere haben selbst einen Hund und kämpfen mit etwas ganz anderem: mit den Menschen, die ihr Hund anzieht.

Kennst du diese Situationen?

Ohne eigenen Hund

-Du gehst durch den Park und hast deine Kopfhörer auf, um die Geräusche zu dämpfen. Plötzlich bellt direkt neben dir ein Hund. Du zuckst zusammen. Dein Körper ist in Alarm, und es dauert lange, bis du wieder runterkommst.

-Ein Hund läuft frei herum und rennt im Zickzack über die Wiese. Du kannst nicht einschätzen, wohin er als Nächstes läuft. Diese Unvorhersehbarkeit macht dich nervös, auch wenn der Hund gar nichts von dir will.

-Ein Hund kommt auf dich zu und will dich beschnuppern. Seine Nase berührt deine Hand. Für dich ist das eine unangenehme Berührung, die du nicht kontrollieren kannst.

Mit eigenem Hund

-Du gehst mit deinem Hund spazieren, weil dir das guttut. Ruhe, Bewegung, ein vertrautes Tier an deiner Seite. Dann kommt jemand auf euch zu: „Oh, ist der süß! Darf ich mal streicheln? Was ist das für einer? Wie alt ist er?“ Du willst einfach nur weitergehen. Aber du weißt nicht, wie du das sagst, ohne unhöflich zu wirken.

-Andere Hundehalter wollen, dass eure Hunde sich begrüßen. Es folgt ein Gespräch über Rasse, Futter und Hundeschule. Für dich ist das ein Gespräch zu viel. Du gehst inzwischen zu Zeiten raus, in denen niemand unterwegs ist.

-Dein Hund reagiert an der Leine, und Fremde geben dir ungefragt Ratschläge. Du sollst ihn mal richtig erziehen. Du weißt nicht, wie du reagieren sollst, und grübelst den ganzen Abend darüber nach.

Was Hunde und neurodivergente Menschen verbindet

Hunde kommunizieren vor allem über ihren Körper. Über Haltung, Blick, Ohren, Rute, Bewegung. Diese Sprache hat Regeln. Sie lässt sich beobachten, beschreiben und lernen. Ganz konkret, Schritt für Schritt.

Das kommt vielen neurodivergenten Menschen entgegen. Wer gern versteht, wie etwas funktioniert, findet in der Hundesprache ein System, das sich erschließen lässt. Wer Muster erkennt, sieht Signale oft genauer als andere. Und wer mit menschlichem Smalltalk wenig anfangen kann, schätzt, dass ein Hund meint, was er zeigt.

Dazu kommt: Auch Hunde können reizempfindlich sein. Auch sie geraten unter Stress, wenn zu viel auf einmal passiert. Auch sie brauchen Rückzug, Struktur und Vorhersehbarkeit. Wer das von sich selbst kennt, versteht oft schneller, was ein Hund gerade braucht.

Und umgekehrt hilft Wissen gegen Überforderung. Wenn du weißt, was ein Hund als Nächstes vorhat, ist er weniger unberechenbar. Und was berechenbar ist, kostet weniger Kraft.

Du darfst Nein sagen

Du musst niemandem erlauben, deinen Hund zu streicheln. Du musst kein Gespräch führen, das du nicht willst. Und du musst niemandem erklären, warum.

Ein paar Sätze, die du dir zurechtlegen kannst:

  • „Bitte nicht streicheln, wir sind gerade im Training.“

  • „Heute nicht, danke.“

  • „Wir brauchen gerade Abstand.“

Manchen hilft ein sichtbares Zeichen am Hund, zum Beispiel eine gelbe Schleife an der Leine oder ein Halstuch mit Aufschrift wie „Bitte nicht streicheln“. Nicht jeder kennt diese Zeichen. Aber sie geben dir einen Grund, auf den du zeigen kannst.

Was du bei mir lernst

Wir gehen strukturiert vor, mit klaren Schritten und ohne Überraschungen.

  • wie Hunde kommunizieren, erklärt als klares System mit vielen Beispielen

  • woran du früh erkennst, ob ein Hund gleich bellt, losläuft oder Kontakt sucht

  • wie du Begegnungen planbarer machst und Situationen meidest, die dich überfordern

  • wie du dich verhältst, wenn ein Hund überraschend auf dich zukommt

  • welche Sätze dir helfen, Fremde abzuwimmeln, ohne lange zu erklären

  • wie du mit deinem eigenen Hund Spaziergänge gestaltest, die euch beiden guttun

  • woran du erkennst, wann dein Hund selbst gestresst ist und Ruhe braucht

So arbeiten wir zusammen

Ich weiß, dass neue Situationen Kraft kosten. Darum mache ich es dir so leicht wie möglich:

  • Du weißt vorher, wie der Termin abläuft und worüber wir sprechen.

  • Online musst du die Kamera nicht anschalten, wenn du nicht möchtest.

  • Du darfst Pausen machen, nachfragen und auch mal schweigen.

  • Nach dem Termin bekommst du alles Wichtige schriftlich, damit du nichts im Kopf behalten musst.

  • Wenn dir Telefonieren schwerfällt, können wir das kostenfreie Kennenlernen auch per WhatsApp oder E-Mail machen.

Im Einzelcoaching geht es nur um dich, in deinem Tempo. Für viele neurodivergente Menschen ist das der angenehmste Weg.

Beim Coaching vor Ort gehen wir zusammen raus, an einen Ort, den du auswählst. Ruhig, mit Abstand und ohne Menschenmenge.

Im Webinar bist du in einer kleinen Gruppe mit höchstens vier Teilnehmenden. Du kannst zuhören, ohne etwas sagen zu müssen.

Wichtig zu wissen

Mein Angebot ist Coaching und Bildung. Meine eigene Neurodivergenz ist keine therapeutische Qualifikation, sondern meine persönliche Perspektive. Ich stelle keine Diagnosen und ersetze keine Psychotherapie. Wenn dich Hundebegegnungen sehr belasten, sprich auch mit deiner Ärztin / deinem Arzt oder Therapeutin / Therapeut. Beides lässt sich gut verbinden.

Lass uns sprechen

Du musst dich nicht an eine Welt anpassen, die zu laut für dich ist. Aber du kannst lernen, dich in ihr sicherer zu bewegen. Mit Hund oder ohne. Im kostenlosen Kennenlerngespräch erzählst du mir, was dich beschäftigt. Am Telefon oder schriftlich, wie es dir lieber ist.

Meine Angebote sind Coaching und Bildung. Sie ersetzen keine Psychotherapie und keine tierärztliche Behandlung.

Hunde verstehen beginnt mit einem Gespräch

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